Mit Beginn der Schwangerschaft spielen Hormone und Gedanken verrückt. Der Körper verändert sich und alltägliche Gewohnheiten werden plötzlich hinterfragt: Ist die Joggingrunde noch ok? Was ist mit dem Kaffee am morgen? Doch bei aller Vorsicht wird oft die Mundgesundheit vergessen – dabei kommt es auch hier zu allerlei Veränderungen.

Höheres Risiko für Zahnfleischentzündungen

Die Hormonumstellung hat zum Beispiel Auswirkungen auf das Zahnfleisch. „Eine sogenannte Schwangerschaftsgingivitis ist die häufigste Mundschleimhautveränderung während der Schwangerschaft“, weiß Professor Dr. Stefan Zimmer, Sprecher der Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) und Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke. „Grund dafür ist die veränderte Durchlässigkeit der Gefäße, wodurch verstärkt Flüssigkeit in das Gewebe eindringt. Die Durchblutung des Zahnfleischs verstärkt sich, es wird weicher und kann leicht anschwellen. Bakterien können sich in dieser Zeit schneller ansiedeln und zu Entzündungen führen.“ Das geschwollene Zahnfleisch kann die mechanische Zahnreinigung erschweren, sodass Beläge (Plaque) ein leichtes Spiel haben. Blutspucken beim Zähneputzen ist ein ernstes Zeichen einer Zahnfleischentzündung.

Magensäure, Heißhunger, Mundtrockenheit: Ein Paradies für Kariesbakterien

Übelkeit und Sodbrennen können gerade in den ersten Schwangerschaftsmonaten ein lästiges Problem sein. Dabei setzt die aufsteigende, aggressive Magensäure auch den Zähnen zu, da sie den Zahnschmelz angreift und zu so genannten Erosionen führt. Ein Schluck Wasser oder Mundspüllösung hilft, die Säure im Mund zu neutralisieren. Und oft sind die Zähne noch mit anderen Säureangriffen konfrontiert: Zucker! Zimmer rät: „Heißhunger auf Süßigkeiten lässt sich manchmal nur schwer vermeiden. Doch es gibt zahnfreundliche Varianten. Sie sind mit Zuckeraustauschstoffen gesüßt und mit dem Zahnmännchen gekennzeichnet. Wer den zuckrigen Versuchungen jedoch nicht widerstehen kann, der sollte den Mund anschließend gründlich ausspülen und/oder einen zuckerfreien Kaugummi kauen.“ Generell ist eine ausgewogene Ernährung während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit wichtig. Eine gute Versorgung mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen wie Jod, Folsäure und Eisen schafft eine Grundlage für das optimale Heranwachsen des Kindes. So auch für die Bildung der Zahnleisten, in denen die Keimanlagen für die Milchzähne enthalten sind, die etwa ab der 6. bis 8. Schwangerschaftswoche beginnt.1 Außerdem darf das Trinken nicht vergessen werden. Denn ein weiterer Nebeneffekt der Hormonumstellung präsentiert sich häufig in Form von Mundtrockenheit. Der Speichelmangel erhöht das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen.

Sichere Fluoridierung in der Schwangerschaft

Zu Beginn der Schwangerschaft sollte mit dem Zahnarzt über besondere Maßnahmen zur Prävention von Karies und Co. gesprochen werden. „Neben professionellen Zahnreinigungen sollten auch häusliche Fluoridierungsmaßnahmen zur Mundpflege dazugehören. Neben der Zahnpasta und fluoridiertem Speisesalz gehören gegebenenfalls Mundspüllösungen und Gelees dazu“, weiß Zimmer. Mediale Berichterstattung über Studien, die einen verminderten IQ des Kindes infolge der Zufuhr von Fluoriden während der Schwangerschaft beschreiben, führen oft zu Verunsicherungen bei werdenden Eltern.2,3 Allerdings sind diese Studien unabhängig von ihrer wissenschaftlichen Bewertung auf die Verhältnisse in Deutschland nicht übertragbar, da die Schlussfolgerung aufgrund einer erhöhten Fluoridkonzentration im Urin als Konsequenz der systemischen Fluoridzufuhr über fluoridiertes Trinkwasser (z. B. in den USA) getroffen wurde. In Deutschland gibt es diese Trinkwasserfluoridierung nicht. Stattdessen sind außer der Verwendung von fluoridiertem Speisesalz alle empfohlenen Fluoridierungsmaßnahmen für Schwangere lokal. Ein Zusammenhang zwischen der Fluoridierung und dem IQ des Kindes kann daher nicht hergeleitet werden.4,5

Quellen:

    KZBV, Zahngesundheit während der Schwangerschaft. Online abrufbar unter: https://www.kzbv.de/zahngesundheit-waehrend-der-schwangerschaft.47.de.html
    Bashash M, et al., Prenata l fluoride exposure and cognitive outcomes in children at 4 and 6–12 years of age in Mexico. Environ Health Perspect 2017; 125:0970171. DOI:10.1289/ EHP655
    Rivka Green, et al., Association Between Maternal Fluoride Exposure During Pregnancy and IQ Scores in Offspring in Canada, JAMA Pediatrics doi:10.1001/jamapediatrics.2019.1729, 2019.
    Zimmer S, Schaper A, Stellungnahme der IfK zu Fluorid-Studien aus Nordamerika. 2019. Online abrufbar unter: https://www.kariesvorbeugung.de/kariesprophylaxe-aktuell/stellungnahme-der-ifk-zu-fluorid-studien-aus-nordamerika/
    Schiffner U, Zahnärztliche Fluoridierungsmaßnahmen in der Schwangerschaft sind sicher: Umstrittene, mit Mängeln behaftete Studie aus Mexiko hat keine Relevanz, DÄV, Oralprophylaxe & Kinderzahnheilkunde 39 (2017) 4. Online abrufbar unter: https://www.kariesvorbeugung.de/kariesprophylaxe-aktuell/zahnaerztliche-fluoridierungsmassnahmen-in-der-schwangerschaft-sind-sicher-umstrittene-mit-maengel-1/

Kieferaufbau, das klingt nach Unfallchirurgie. Ist es aber nicht. Hier handelt es sich um einen Fachausdruck aus der Zahnheilkunde. Es geht um den sog. Knochenaufbau für eine Implantation.

Bei Patienten, bei denen die unteren Zähne nicht mehr vorhanden sind, kommt es aufgrund des Fehlens zu einem Abbau eines Knochenfortsatzes, in dem sich normalerweise die unteren Teile der Zähne befinden. Bei einer Nichtversorgung des Problems verändert sich deshalb langfristig die Position des unteren Kieferknochens.

Allerdings gibt es verschiedene Knochenaufbau-Methoden durch die das Problem des Knochenverlustes, speziell im Unterkiefer, umgangen werden kann. Übrigens bedeutet "zahnloser Unterkiefer" hier im Fachjargon nicht, dass alle Zähne ausgefallen wären, sondern dass einzelne Zähne, einer oder mehrere im Unterkiefer fehlen und ersetzt werden müssen.

Istzustand erfassen mittels DVT

Doch zuvor muss eine Aufnahme des Kiefers des Patienten angefertigt werden, da jeder Kieferknochen individuell ist und eine spezielle Struktur hat, die für den Knochenaufbau entscheidend ist. Hierfür ist die Digitale Volumentomografie (DVT) bestens geeignet, da es sich hierbei um ein modernes bildgebendes Verfahren der Implantologie handelt, das sogar kleinste Knochenstrukturen des Kiefers dreidimensional darstellen kann.

Durch die moderne Implantologie eröffnen sich viele neue Möglichkeiten, sodass Personen, die Probleme mit ihren (fehlenden) Zähnen haben, nun nicht mehr dadurch eingeschränkt werden müssen. Denn ein Zahnverlust folgt in der Regel im Laufe des Lebens aufgrund verschiedener Ursachen. Die häufigste Ursache des Zahnverlustes ist der natürliche Alterungsprozess, der kaum aufgehalten werden kann.

Fehlende Zähne sollten ersetzt werden

Es ist empfehlenswert so schnell wie möglich einen Spezialisten aufzusuchen, sobald Zähne fehlen und dadurch Einschränkungen auftreten. Denn ansonsten kommt es, wie oben bereits erwähnt, zu einem kontinuierlichen Abbau des Knochens, in dem sich zuvor die Zähne befunden haben. Dieser bildet sich immer weiter zurück, wenn keine Zähne mehr vorhanden sind bzw. Zähne fehlen.

Es gibt allerdings auch weitere Ursachen für einen Abbau des Kieferknochens, beispielsweise eine starke Entzündung des Zahnbettes, traumatische Ereignisse (Stürze etc.) oder auch das jahrelange Tragen einer Prothese.

Grundvoraussetzung für ein Zahnimplantat ist allerdings ein intakter und stabiler Kieferknochen, damit das Implantat genügend Halt hat. Damit diese Bedingung erfüllt ist, kommt der Knochenaufbau im Kiefer zum Einsatz. Die Implantologie bietet verschiedene Methoden des Knochenaufbaus, die allerdings von der jeweiligen Situation abhängen. Dafür wird zuvor die Digitale Volumentomografie angewendet, sodass in jedem Fall individuell entschieden werden kann, welche Knochenaufbau-Methode im Einzelfall am sinnvollsten ist.

Knochenaufbau für eine sichere Implantation

Das Ergebnis dieses modernen Verfahrens ermöglicht eine präzise Planung des anschließenden Knochenaufbaus, falls dieser tatsächlich nötig ist. Ein Knochenaufbau ist beispielsweise durch das Einbringen von Knochen oder Knochenersatzmaterial möglich. In einigen Fällen kommen verschiedene Proteine oder Membranen zum Einsatz durch die das Knochenwachstum zusätzlich gefördert wird.

Allerdings zeigen erst die Aufnahmen, die durch die Digitale Volumentomografie entstehen, welches Verfahren im Einzelfall am besten geeignet ist, sodass sichergestellt werden kann, dass das anschließende Implantat auch fest und sicher im Kiefer verankert ist. Manchmal bringt die DVT auch das erfreuliche Ergebnis zutage, dass sich der Knochen zwar zurückgebildet hat, aber immer noch ausreichend Material vorhanden ist, um mit den modernen Verfahren in der Zahnheilkunde eine sichere Implantation zu gewährleisten.

Einem Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) an die Gesellschafter der gematik zufolge wird die für den 1. Januar 2022 gesetzlich vorgegebene verpflichtende Einführung der elektronischen Arzneimittelverordnung (E-Rezept) abgesagt. Demnach sind die Ergebnisse bisheriger Tests unzureichend und die flächendeckende technische Verfügbarkeit der Telematik-Anwendung bislang nicht erreicht. Das E-Rezept soll zunächst weiter getestet werden, bevor es in der Versorgung flächendeckend umgesetzt wird.

Dr. Karl-Georg Pochhammer, stellv. Vorsitzender des Vorstands der KZBV: „Besser spät als nie! Wir begrüßen die richtige Einsicht des Mehrheitsgesellschafters BMG außerordentlich. Mit dieser 'Notbremse' schließt sich die neue Spitze des Hauses noch rechtzeitig der vielfach und gemeinsam eingebrachten Auffassung der übrigen gematik-Gesellschafter an, zu denen auch die KZBV zählt. Für einen solchen Schritt hatten wir uns immer wieder auf Arbeitsebene des BMG, mit entsprechenden Beschlussvorschlägen in der Gesellschafterversammlung und auch öffentlichkeitswirksam stark gemacht. Bisherige Feldtests in der Fokusregion Berlin-Brandenburg waren auch nach der bundesweiten Ausdehnung bei weitem nicht aussagekräftig genug. Das Risiko eines von Fehlern und Pannen begleiteten Starts des E-Rezepts wäre völlig unkalkulierbar gewesen. Einen sicheren Wirkbetrieb zum ursprünglichen Stichtag in zwei Wochen hätte niemand garantieren können, der im Gesundheitssystem Verantwortung trägt.“

Die Entscheidung sei auch ein Beitrag zu mehr Patientensicherheit in einer Zeit, in der dem Gesundheitswesen pandemiebedingt die Überlastung droht: „In Zahnarzt- und Arztpraxen werden täglich 2 Millionen Rezepte ausgestellt. Fehlerhaft übermittelte Rezepte wären in einer besonders kritischen Phase der Pandemie eine absehbare und völlig unnötige Zusatzbelastung für Heilberufe und Apotheken gewesen.“ Die KZBV sprach sich erneut dafür aus, die weitere Testung erst dann zu beenden, wenn diese nachweislich erfolgreich war. Dafür müssten transparente Qualitätskriterien vorgesehen werden, die nicht nur jeder Anbieter, sondern auch die gesamte Prozesskette erfüllen muss. „Das E-Rezept darf erst nach erwiesener Praxistauglichkeit für den Regelbetrieb in die Praxen kommen“, forderte Pochhammer.

Die auch nach dem Willen des BMG fortzusetzende und zu intensivierende Testphase wird von der KZBV, die bereits bei ihren Vertreterversammlungen entsprechende Beschlüsse gefasst hatte, aktiv unterstützt. „Wir rufen Berufsstand und Hersteller zahnärztlicher Praxisverwaltungssysteme auf, sich wie bereits jetzt schon in der Testregion Berlin-Brandenburg auch bundesweit aktiv an den Tests zu beteiligen und so die Verlängerung der Testphase sinnvoll zu nutzen“.

Unabhängig von der Verschiebung der Einführung des E-Rezepts können Zahnarztpraxen bei der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und des E-Rezepts weiterhin und auch nach dem 1. Januar bis auf Weiteres ein papiergebundenes Verfahren nutzen:

  • Die Arbeitsunfähigkeitsdaten können unter Verwendung der im PVS hinterlegten Formulare bzw. über das entsprechende Stylesheet ausgedruckt und über die Versicherten an die Krankenkasse übermittelt werden.
  • Für die Verordnungsdaten kann die Praxis das Arzneiverordnungsblatt gemäß Anlage 14a zum BMV-Z (Muster 16) verwenden.
Die Übergangsfrist für die eAU, die am 31. Dezember endet, wird bislang nicht verlängert. Deshalb sind Praxen grundsätzlich verpflichtet, die eAU zu nutzen, wenn sie technisch dazu in der Lage sind. Wenn Praxen die technischen Voraussetzungen nachweislich unverschuldet nicht herstellen können, weil etwa notwendige Dienste und Komponenten nicht fehlerfrei funktionieren, nicht lieferbar sind oder Updates für PVS noch nicht verfügbar sind, sind Praxen solange von der Verpflichtung zur elektronischen Ausstellung und Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung befreit, bis die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Dennoch sollten Praxen aufgrund der unverändert geltenden Gesetzeslage zur Einführung der Anwendungen zeitnah Updates für die PVS und den für die eAU erforderlichen KIM-Dienst installieren, falls sie das bislang noch nicht getan haben.

Weitere Informationen und kostenfreie Praxishilfen zur Einführung von eAU, E-Rezept und KIM in Zahnarztpraxen können auf der Website der KZBV abgerufen werden.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran: Die elektronische Patientenakte bekommt mehr Funktionen, der „gelbe Schein“ wird weiter digitalisiert. Ab Januar tritt zudem die Pflegereform in Kraft und es könnte sein, dass Cannabis bald legal verkauft werden darf. Ein Überblick, was sich 2022 für Sie im Gesundheitsbereich ändert.
Corona-Sonderregeln verlängert

Noch immer hat uns die Corona-Pandemie fest im Griff. Daher hat das Bundesministerium für Gesundheit die pandemiebedingte Sonderregelung verlängert:

  • Das Kinderkrankengeld kann auch 2022 je versichertem Kind grundsätzlich für 30 statt 10 Tage in Anspruch genommen werden. Alleinerziehenden haben Anspruch auf 60 statt 20 Tage.
  • Die Regelungen zur finanziellen Entlastung von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen gelten bis zum 31. März. Die Zahlung des Pflegeunterstützungsgeldes wird wegen der Pandemie von zehn auf 20 Arbeitstage verlängert. Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 können den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich auch für Hilfen außerhalb der geltenden Regelung einsetzen, um so Corona-bedingte Versorgungsengpässe auszugleichen. Und eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, um die Pflegebedürftigkeit festzustellen, kann ohne Untersuchungen des Versicherten in seinem Wohnbereich erfolgen. Die Einstufung erfolgt dann nach Aktenlage und einer telefonischen Befragung.
  • Auch die geltenden Sonderregeln in der ambulanten ärztlichen Versorgung werden im Zuge der vierten Infektionswelle bis zum 31. März verlängert. Dazu zählen eine telefonische Krankschreibung bis zu sieben Kalendertagen bei Erkältungssymptomen oder das vermehrte Angebot an Video-Sprechstunden.
  • Krankenhausärztinnen und -ärzte können eine Arbeitsunfähigkeit für eine Dauer von bis 14 Kalendertagen nach Entlassung aus dem Krankenhaus bescheinigen. Die Regelung tritt am 31. Mai außer Kraft.

Mehr Informationen: www.g-ba.de/service/sonderregelungen-corona/
Online zum Arzt

Welche Ärzte Videosprechstunden anbieten dürfen, wie Patientinnen und Patienten davon profitieren und wie der digitale Arztbesuch abläuft, erfahren Sie hier: www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/patient-arzt/wie-funktioniert-die-videosprechstunde
Corona-Impfpflicht für besondere Berufsgruppen ab März

Die neue Bundesregierung hat kurz nach ihrem Amtsantritt ein neues Impfpräventionsgesetz beschlossen. Das Gesetz sieht erstmals auch eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen vor: für das Personal von Arztpraxen, Kliniken, Rettungsdiensten, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderungen betreut werden sowie sozialpädagogische Zentren. Die Impfpflicht soll ab dem 15. März gelten. Konkret heißt das: Personen, die z. B. in Arztpraxen und Zahnarztpraxen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen tätig sind, müssen bis zum 15. März 2022 entweder geimpft oder genesen (im Sinne der COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung) sein. Ausgenommen sind Personen, die auf Grund medizinischer Kontraindikation nicht gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft werden können.
Sozialversicherungsbeiträge bleiben stabil

Damit die Sozialversicherungsbeiträge nicht steigen, hat der Bund eine zusätzliche Milliardenhilfe beschlossen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen bekommen, umgesetzt über einen Zuschuss an den Gesundheitsfonds, 2022 einen ergänzenden Zuschuss von 14 Milliarden Euro. So sollen die Zusatzbeiträge der Versicherten bei durchschnittlich 1,3 Prozent bleiben. Insgesamt erhält die gesetzliche Krankenversicherung damit im kommenden Jahr 28,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln.
Beitragsbemessungsgrenze bleibt ebenfalls stabil

Die Beitragsbemessungsgrenze bleibt auf dem Niveau von 2021. Sie ist die maßgebende Rechengröße für die Sozialversicherung und wird entsprechend der Entwicklung der Löhne und Gehälter jährlich angepasst. Dadurch ändern sich die Einkommensgrenzen, von denen oder bis zu denen Beiträge zu zahlen sind. In den letzten Jahren wurde diese meist erhöht. Das ist diesmal anders. Ab dem 1. Januar 2022 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) unverändert 58.050 Euro im Jahr. Die Versicherungspflichtgrenze in der GKV liegt unverändert bei 64.350 Euro brutto im Jahr. Wer mehr als diesen Betrag verdient, kann sich privat krankenversichern lassen.
Der „gelbe Schein“ wird weiter digitalisiert

Die gelben Zettel, die die Ärztin oder der Arzt bei einer Krankschreibung gesetzlich Versicherten ausstellt, sollen allmählich weniger werden. Seit dem 1. Oktober übermitteln Ärzte die Krankmeldungen bereits digital an die gesetzlichen Krankenkassen. Dass auch der Arbeitgeber von der Krankmeldung erfährt, dafür sind bislang noch die Angestellten selbst zuständig. Doch nicht mehr lange: Ab dem 1. Juli 2022 sollen die gesetzlichen Krankenkassen die Krankmeldungen auch den Arbeitgebern digital zur Verfügung stellen. Damit wird der „gelbe Schein“ Stück für Stück digitalisiert. Er verschwindet aber nicht ganz: Die Ärzte sind verpflichtet, den Patientinnen und Patienten ein Belegexemplar auszustellen.
Elektronische Patientenakte bekommt mehr Funktionen

Arztberichte, Befunde, Röntgenbilder – all dies kann theoretisch bereits seit einem Jahr in der elektronischen Patientenakte (ePA) hinterlegt werden. Ab Januar sollen auch der Impfausweis, das gelbe U-Heft für Kinder, das Zahnbonus-Heft und der Mutterpass in der ePA gespeichert werden können. Versicherte bekommen die Möglichkeit, über ihr Smartphone oder Tablet für jedes in der ePA gespeicherte Dokument einzeln zu bestimmen, wer darauf zugreifen kann. Bei einem Krankenkassenwechsel können Patienten ihre Daten aus der ePA übertragen lassen. Der Gebrauch der elektronischen Patientenakte bleibt freiwillig. Zu Beginn des Jahres 2022 werden auch die ersten privaten Krankenversicherungen die elektronische Patientenakte anbieten. Sie hatten mit dem Start auf die wesentlich umfangreicheren Funktionen und die deutlich präziseren Datenschutz-Regeln gewartet.
Die elektronische Patientenakte (ePA)

Wie man als Patient an eine solche Akte kommt, welche Vorteile sie bringen kann und wie man die Kontrolle über seine Daten behält, erfahren Sie hier: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/e-health-trends/die-elektronische-patientenakte-epa-wie-sie-funktioniert-und-was-sie
Pflegereform tritt in Kraft

Die große Koalition hat sich vor der Bundestagswahl auf eine Pflegereform geeinigt. Demnach wird die Pflegeversicherung ab 2022 vom Bund mit einer Milliarde Euro jährlich bezuschusst. Des Weiteren wird der Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte angehoben. Dadurch würde die Pflegeversicherung laut Bundesgesundheitsministerium zusätzlich 400 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Damit Pflegebedürftige von steigenden Kosten nicht überfordert werden, zahlt die Pflegeversicherung bei der Versorgung im Pflegeheim künftig einen Zuschlag. Dieser soll mit der Dauer der Pflege steigen: Im ersten Jahr trägt die Pflegekasse 5 Prozent des Eigenanteils, im zweiten Jahr 25 Prozent, im dritten Jahr 45 Prozent und danach 70 Prozent.

Außerdem werden in der ambulanten Pflege die Sachleistungsbeträge um 5 Prozent erhöht und der Leistungsbetrag der Pflegeversicherung zur Kurzzeitpflege wird um 10 Prozent angehoben. Ab dem 1. September 2022 sollen zudem nur noch Pflegeeinrichtungen zur Versorgung zugelassen werden, die ihre Pflege- und Betreuungskräfte nach Tarif bezahlen. Ein bundeseinheitlicher Personalschlüssel soll die Einstellungen zusätzlicher Pflegekräfte erleichtern und so dem Mangel an Pflegekräften entgegenwirken.
Kontrollierter Cannabis-Verkauf?

Die Parteien der Ampel-Koalitionen wollen den Verkauf von Cannabis zu Genusszwecken legalisieren. Darauf hatte sich im November die Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege der Koalition geeinigt. Geplant ist eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in lizenzierten Geschäften. So solle die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet werden. Wann die Legalisierung umgesetzt werden soll, steht allerdings noch aus. Unter Medizinern ist die Legalisierung umstritten. Zu den möglichen Risiken gehören Psychosen, Störungen des Bewusstseins und der kognitiven Fä­hig­keiten, klare Einschränkungen der Aufmerksamkeit und der Psychomotorik.
Mehr Aufklärung über Organspende

Mehr als 9000 Menschen warten in Deutschland laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation auf eine Organspende. Die meisten davon brauchen eine Niere. Die Zahl der Menschen, die einen Organspendeausweis besitzen, ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen. Dennoch wissen noch immer nicht genügend Menschen über das Thema Organspende Bescheid. Hausärztinnen und Hausärzte kommt deshalb eine aktivere Rolle bei der Aufklärung über die Organspende zu. Ab März 2022 sollen sie ihre Patienten alle zwei Jahre über die Organ- und Gewebespende informieren. Das sieht das Gesetz „zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende“ vor, dass der Bundestag im Januar 2020 verabschiedet hatte. Ab März soll zudem ein neues Organspenderegister an den Start gehen. Dort soll dann eine Spendererklärungen auch elektronisch abgegeben oder widerrufen werden können.
Fragen und Antworten zur Organspende

Wie erhält man einen Organspendeausweis? Unter welchen Voraussetzungen dürfen Ärzte Organe entnehmen? Und wer entscheidet, wenn der Wille des potenziellen Spenders unbekannt ist? Diese Fragen beantworten wir hier: www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/notfall-erste-hilfe/10-fragen-und-antworten-zur-organspende
Tattoo-Farben verboten

Ab Januar tritt eine neue EU-Verordnung für Tattoo-Farben in Kraft. Mehr als 4000 chemische Stoffe, die für Tattoo-Tinte und Permanent-Make-up verwendet werden, sind dann verboten. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) sieht in den Chemikalien ein Gesundheitsrisiko. Sie können Hautallergien und andere schwerwiegendere Auswirkungen auf die Gesundheit wie genetische Mutationen und Krebs verursachen, schreibt die ECHA. Das Verbot ist in der sogenannten Reach-Verordnung festgehalten. "Reach" steht für Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien. Etwa 12 Prozent der Menschen in Europa haben ein Tattoo. Studien darüber, wie groß das Gesundheitsrisiko durch die chemischen Substanzen in den Farben tatsächlich ist, gibt es bisher nicht.
Verschoben: Elektronisches Rezept

Ursprünglich sollte das elektronische Rezept ab Januar 2022 Pflicht werden. Die Einführung wurde Ende Dezember jedoch verschoben. Das teilte das Bundesministerium für Gesundheit in einem Schreiben den anderen Gesellschaftern der gematik GmbH mit. Darin heißt es, dass die erforderlichen technischen Systeme noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen würden. Die Testphase für das E-Rezept soll daher verlängert werden. Zukünftig sollen Ärzte gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten Rezepte nur noch digital ausstellen. Versicherte, die kein elektronisches Rezept wünschen, können aber auch weiterhin einen Papierausdruck des E-Rezepts erhalten.
Die App „E-Rezept“

  • Die App „E-Rezept“ kann auch in der Testphase kostenlos in den App-Stores heruntergeladen werden (www.das-e-rezept-fuer-deutschland.de/app).
  • Technische Voraussetzungen ist ein NFC-fähiges Smartphone mit mindestens iOS 14 oder Android 7.
  • Für die Anmeldung in der App ist eine elektronische Gesundheitskarte notwendig und die dazugehörige PIN. Wer keine Gesundheitskarte hat oder den PIN nicht mehr weiß, kann beides bei seiner Krankenkasse anfordern.
  • Mit Hilfe eines QR-Codes kann das Rezept per App oder Ausdruck in der Apotheke eingelöst werden. In der App sind auch Informationen zum Medikament und Hinweise zur Einnahme und Dosierung hinterlegt.